Brand Community Places: Wenn der Store zum Third Place wird
Der stationäre Handel verliert nicht an Bedeutung, er verändert seine Rolle. Während rund 4.900 Geschäfte 2026 verschwinden sollen (HDE-Prognose 2026), entstehen gleichzeitig Orte, die mehr leisten als Verkaufen. Sie werden zu Treffpunkten. Brand Community Places verbinden Marke, Raum und Gemeinschaft zu einem dritten Ort zwischen Zuhause und Arbeit. Wer heute Flächen plant, plant nicht mehr nur Verkaufsraum, sondern Begegnung. Dieser Beitrag erklärt das Konzept, zeigt internationale Vorbilder und beschreibt, wie aus einem Store ein echter Markenort wird. Eine Einordnung für alle, die Handelsflächen strategisch denken.

Gastronomie als Treffpunkt im Handel · Foto: Rachel Claire / Pexels
Key Takeaways
- Rund 86 % des deutschen Einzelhandelsumsatzes laufen weiterhin stationär (HDE Online-Monitor, 2025), die Fläche bleibt also zentral.
- Brand Community Places sind Stores, die zum Third Place werden: zum sozialen Treffpunkt zwischen Zuhause und Arbeit.
- Reiner Erlebnishandel inszeniert das Produkt, Brand Community Places bauen eine Community auf.
- Gastronomie, Rituale, Events und Haltung sind die vier zentralen Community-Devices internationaler Marken.
- Aufenthaltsqualität, Wiederbesuch und Markenbindung entscheiden, nicht die Konversionsrate pro Quadratmeter.
Was sind Brand Community Places?
Brand Community Places sind Handelsflächen, die bewusst als sozialer Treffpunkt konzipiert sind. Sie verbinden Markenwelt, Aufenthaltsqualität und Gemeinschaft zu einem dritten Ort zwischen Zuhause und Arbeit. Der Verkauf bleibt wichtig, ist aber nicht mehr das alleinige Ziel. Im Zentrum steht die Beziehung zwischen Marke und Menschen.
Der Begriff verbindet zwei Ideen. Auf der einen Seite die Markencommunity, also eine Gruppe von Menschen, die sich über Werte und Identität einer Marke verbunden fühlen. Auf der anderen Seite den physischen Ort, der diese Verbindung erlebbar macht. Ein Brand Community Place ist der Schnittpunkt: ein Raum, in dem Marke nicht verkündet, sondern gelebt wird. Genau hier unterscheidet er sich vom klassischen Geschäft.
Diese Verschiebung ist keine Spielerei für Luxusmarken. Sie ist eine strategische Antwort auf eine veränderte Handelsrealität. Wenn das Produkt online jederzeit verfügbar ist, muss die Fläche etwas bieten, das der Bildschirm nicht kann: echte Begegnung, Atmosphäre, das Gefühl von Zugehörigkeit.

Markenraum mit hoher Gestaltungsqualität · Foto: Jea Tang / Pexels
Die 4 Merkmale
Vier Eigenschaften machen einen Brand Community Place aus. Sie helfen, das Konzept von gewöhnlichem Ladenbau zu unterscheiden.
- Aufenthaltsqualität: Menschen bleiben gern, auch ohne zu kaufen. Sitzgelegenheiten, Gastronomie und Atmosphäre laden zum Verweilen ein.
- Soziale Funktion: Der Ort verbindet Menschen. Er funktioniert als Treffpunkt, nicht nur als Transaktionspunkt.
- Markenidentität im Raum: Werte und Haltung der Marke werden räumlich erfahrbar, nicht nur dekorativ behauptet.
- Wiederkehr statt Einmalbesuch: Programme, Events und Services geben einen Grund, immer wieder zu kommen.
Abgrenzung: BCP vs. Erlebnishandel vs. Dritter Ort
Die drei Begriffe überschneiden sich, meinen aber nicht dasselbe. Diese Abgrenzung schärft das Verständnis.
- Erlebnishandel inszeniert das Produkt und das Markenerlebnis am Verkaufspunkt. Ziel ist ein emotional aufgeladener Kaufmoment. Die Beziehung endet meist an der Kasse.
- Dritter Ort (Third Place) ist ein soziologisches Konzept für informelle Treffpunkte wie Cafés oder Bibliotheken. Er ist offen, zwanglos und nicht zwingend kommerziell.
- Brand Community Place verbindet beides: Er nutzt die Logik des dritten Ortes und füllt sie mit einer klaren Markenhaltung. So entsteht ein kommerzieller Raum, der gleichzeitig sozialer Treffpunkt ist.
Was ist ein „Third Place"?
Der Soziologe Ray Oldenburg prägte den Begriff Third Place 1989 in seinem Buch „The Great Good Place" (Oldenburg, 1989). Er beschreibt drei Sphären des Lebens: der erste Ort ist das Zuhause, der zweite die Arbeit, der dritte ein informeller sozialer Treffpunkt. Genau dieser dritte Ort wird für den Handel zur Chance.
Oldenburg dachte dabei an Cafés, Kneipen, Friseure und Buchläden. Orte, an denen Menschen ohne Verpflichtung zusammenkommen, sich austauschen und Gemeinschaft erleben. Sie sind zugänglich, neutral und gleichberechtigt. Die Atmosphäre ist gelöst, das Gespräch steht im Mittelpunkt. Für viele Gesellschaften sind solche Orte ein wichtiger sozialer Kitt.
In unserer Erfahrung ist genau diese Funktion knapper geworden. Innenstädte verlieren Frequenz, klassische Treffpunkte verschwinden. Hier entsteht eine Lücke, die Marken füllen können. Wer einen Raum schafft, an dem Menschen gern Zeit verbringen, gewinnt mehr als Umsatz. Er gewinnt Bindung, Wiederkehr und ein echtes Verhältnis zu seiner Zielgruppe.

Informeller Treffpunkt zwischen Zuhause und Arbeit · Foto: Alexander Suhorucov / Pexels
Vom Verkaufsraum zur Begegnungsstätte
Der klassische Verkaufsraum war auf Effizienz getrimmt. Jeder Quadratmeter sollte Umsatz bringen, jeder Weg zum Regal führen. Diese Logik funktioniert dort, wo Versorgung im Vordergrund steht. Für markengetriebene Flächen reicht sie nicht mehr aus.
Eine Begegnungsstätte denkt anders. Sie reserviert Fläche für das Verweilen, nicht nur für die Ware. Ein Café, eine Lounge, eine Bühne oder ein Werkstattbereich kosten erst einmal Verkaufsfläche. Sie zahlen sich über Aufenthaltsdauer, Wiederbesuch und Markenbindung aus. Der Erfolg lässt sich nicht allein an der Konversion pro Quadratmeter messen. Er zeigt sich in der Beziehung, die der Ort über die Zeit aufbaut.
Warum reicht reiner Erlebnishandel nicht mehr aus?
Erlebnishandel war über Jahre die Antwort auf den Onlinehandel. Doch er stößt an Grenzen, weil 63 % der Menschen stationär kaufen, um das Produkt vorab zu prüfen, und 52 %, um es vor Ort anzuprobieren (YouGov International Retail Report, 2021). Diese Funktion ist nützlich, aber austauschbar. Sie allein bindet niemanden langfristig.
Das Problem mit reiner Inszenierung: Sie wirkt einmal. Der spektakuläre Store zieht beim ersten Besuch, beim zweiten ist der Effekt schon kleiner. Wenn das Erlebnis nur Kulisse für den Verkauf ist, bleibt nach dem Kauf wenig Grund zurückzukehren. Inszenierung ohne Substanz ermüdet.
Brand Community Places setzen tiefer an. Sie verstehen den Besuch nicht als Höhepunkt, sondern als Anfang einer Beziehung. Statt einen Moment zu inszenieren, bauen sie ein Programm auf, das Menschen immer wieder zusammenbringt. Das ist der entscheidende Unterschied zwischen einer schönen Fläche und einem lebendigen Ort.

Inszenierter Verkaufsraum im Erlebnishandel · Foto: Ludovic Delot / Pexels
Erlebnishandel vs. Versorgungshandel
Versorgungshandel deckt Bedarf. Drogerie, Supermarkt, Discounter: Hier zählen Verfügbarkeit, Preis und Geschwindigkeit. Erlebnishandel dagegen verkauft Emotion, Marke und Inszenierung. Beide Modelle sind legitim und erfolgreich, verfolgen aber gegensätzliche Ziele.
Spannend wird es an der Grenze. Versorgungshandel lässt sich kaum zum dritten Ort entwickeln, weil seine Logik auf Tempo beruht. Erlebnishandel dagegen hat das Potenzial, weiterzugehen. Wenn er die reine Inszenierung hinter sich lässt und echte Gemeinschaft schafft, wird aus dem Erlebnis ein Brand Community Place. Der Erlebnishandel ist also die Vorstufe, nicht das Ziel.
Vom Markenerlebnis am POS zur Markencommunity
Das Markenerlebnis am Point of Sale ist ein Moment. Die Markencommunity ist eine dauerhafte Beziehung. Dieser Unterschied verändert die Art, wie wir Flächen planen.
Eine Community entsteht nicht durch Dekoration. Sie wächst durch wiederkehrende Anlässe, geteilte Werte und das Gefühl, dazuzugehören. Ein Lauftreff, ein Repair-Service, ein offenes Café oder eine Veranstaltungsreihe geben Menschen einen Grund, wiederzukommen. Mit jedem Besuch vertieft sich die Bindung. Aus Kund:innen werden Stammgäste, aus Stammgästen Botschafter:innen. Genau diese Dynamik macht den Wert eines Brand Community Place aus.
Wie steht es um die Zukunft des stationären Handels?
Der stationäre Handel ist robuster als sein Ruf. 2025 lag der Online-Anteil am deutschen Einzelhandel bei 13,5 %, mit einem Online-Nettoumsatz von 92,3 Milliarden Euro (HDE Online-Monitor, 2025). Daraus folgt: Rund 86 % des Umsatzes laufen weiterhin über die Fläche. Die Frage ist nicht ob, sondern wie stationär gehandelt wird.

Die Fläche bleibt zentral für den Einzelhandel · Foto: Lywin / Pexels
Die Zahlen (2026)
Die Prognosen zeichnen ein differenziertes Bild. Für 2026 erwartet der Handelsverband Deutschland ein stationäres Wachstum von 1,6 % und ein Online-Wachstum von 4,3 % (HDE Online-Monitor 2026). Beide Kanäle wachsen also. Online schneller, stationär stabil und auf hohem Niveau.
Gleichzeitig schrumpft die Zahl der Geschäfte. Nach der HDE-Prognose sollen 2026 rund 4.900 Läden netto verschwinden, sodass etwa 296.600 Geschäfte übrig bleiben. Vor zehn Jahren waren es noch 366.800 (HDE-Pressemitteilung). Die Konsequenz ist klar: Es gibt weniger, aber wichtigere Flächen. Wer überlebt, muss einen guten Grund liefern, warum Menschen kommen. Genau hier liegt die strategische Bedeutung von Brand Community Places: Sie liefern diesen Grund, indem sie aus der Fläche einen Ort machen, den man nicht online besuchen kann.
Was Kund:innen heute erwarten
Kund:innen kommen mit klaren Erwartungen in den Laden. Sie wollen Produkte prüfen und ausprobieren, das belegen die YouGov-Zahlen deutlich. Doch das ist nur die funktionale Ebene. Darüber hinaus suchen viele Menschen nach Erlebnis, Beratung und sozialer Erfahrung.
Die Fläche muss also zwei Versprechen einlösen. Erstens das funktionale: anfassen, testen, sofort mitnehmen. Zweitens das emotionale: sich wohlfühlen, dazugehören, gern bleiben. In unseren Projekten zeigt sich immer wieder, dass die Flächen am erfolgreichsten sind, die beide Ebenen ernst nehmen. Eine reine Warenpräsentation reicht ebenso wenig wie eine reine Showbühne ohne Substanz.
Brand Community Places in der Praxis: internationale Vorbilder
Die besten Beispiele kommen aus dem internationalen Markt. Marken wie Ralph Lauren, Nike und Patagonia investieren seit Jahren in Räume, die mehr leisten als Verkaufen. Sie nutzen unterschiedliche Community-Devices, also bauliche und programmatische Werkzeuge, um aus dem Store einen Treffpunkt zu machen. Vier Mechaniken lassen sich klar unterscheiden.
Gastronomie und Café: der weiche Anker
Gastronomie ist das stärkste Werkzeug für Aufenthaltsqualität. Ein Café gibt Menschen einen Grund zu bleiben, auch ohne Kaufabsicht. Ralph's Coffee von Ralph Lauren eröffnete 2014 im New Yorker Flagship an der 711 Fifth Avenue. Tiefes Grün, Weiß und Messing prägen die Signatur, der Kaffee stammt von La Colombe. Inzwischen gibt es mehr als 40 Standorte weltweit.

Gastronomie als weicher Anker im Markenraum · Foto: Ayşe Demir / Pexels
Der Concept Store 10 Corso Como in Mailand gilt als Urvater dieser Idee. Carla Sozzani gründete den Ort 1990 als Galerie, der Concept Store folgte 1991. 1998 kam das Café hinzu, 2009 der Dachgarten. Die Vision dahinter: ein Raum wie eine italienische Piazza, an dem Mode, Kunst, Essen und Begegnung verschmelzen. Auch Gentle Monster setzt mit dem Dessertcafé Nudake im Untergeschoss von HAUS DOSAN in Seoul auf diese Logik.
Ritual und Erlebnis: die wiederholbare Geste
Manche Marken machen den Besuch selbst zum Ritual. Aesop baut sogenannte Signature Stores, von denen jeder einzigartig ist und mit lokalen Architekt:innen entsteht. Der Gründer verglich die Sammlung dieser Läden laut Design-Presse mit Anhängern an einem Armband. Das Waschbecken, an dem Gäste die Produkte testen, wird zum wiederkehrenden Ritual. Kein Store gleicht dem anderen, doch alle teilen dieselbe Handschrift.
Gentle Monster geht mit HAUS DOSAN noch weiter. Das fünfstöckige Gebäude eröffnete am 24. Februar 2021 in Seoul. Die Marke positioniert es selbst als „beginning of future retail", als Anfang eines neuen Handelsverständnisses. Hier verschwimmt die Grenze zwischen Store, Galerie und Erlebnisraum vollständig.
Events und Community: der wiederkehrende Anlass
Events schaffen den stärksten Grund zur Wiederkehr. Sie verwandeln den einmaligen Besuch in eine Gewohnheit. Nike eröffnete 2018 die ersten House of Innovation in Shanghai und New York, 2020 folgte Paris an den Champs-Élysées: vier Etagen, rund 2.500 Quadratmeter. Die Nike App und der Nike Run Club fungieren als Community-Device, das digitale Mitgliedschaft und physische Lauftreffs verbindet.

Workshops und Events als wiederkehrender Anlass · Foto: Vitaly Gariev / Pexels
Arc'teryx kombiniert Service und Community. Das erste ReBird Service Center eröffnete 2021 in New York an der 547 Broadway. Es bietet Reparatur, GORE-TEX-Lecktests, Re-Imprägnierung und Resale. Dazu kommen mehrtägige Arc'teryx Academies, etwa die Alpine Academy in Chamonix. So wird die Marke zum Treffpunkt einer aktiven Outdoor-Community.
Haltung: der gemeinsame Wert
Haltung bindet am tiefsten, weil sie Identität stiftet. Patagonia macht Nachhaltigkeit zum Programm. Das 2013 gestartete Worn-Wear-Konzept umfasst Reparatur, Trade-in und Resale, 2015 ging eine eigene Reparatur-Tour auf die Straße. Die ehemalige CEO Rose Marcario brachte die Haltung auf den Punkt: Es gebe nichts an der Herstellung von Kleidung, das mehr positive Umweltwirkung hätte, als schlicht weniger zu produzieren.

Reparatur und Langlebigkeit als gelebte Haltung · Foto: Tima Miroshnichenko / Pexels
Glossier setzte früh auf Community als Designprinzip. Das Flagship eröffnete am 8. November 2018 an der 123 Lafayette Street in SoHo, gestaltet von Gachot Studios als immersiver Community-Space. Der Ort war als Bühne für die digital gewachsene Fan-Community gedacht. Dass dieses erste Flagship 2020 wieder schloss, zeigt auch die Grenzen: Ein Brand Community Place braucht ein tragfähiges Betriebsmodell, nicht nur ein schönes Konzept. Die spannendste Lehre ist hier nicht der Erfolg, sondern die Korrektur.
Wie wird ein Store zum Brand Community Place? Der formwerk-Ansatz
Aus diesen internationalen Vorbildern lassen sich klare Prinzipien ableiten. Bei rund 86 % stationärem Umsatzanteil (HDE Online-Monitor, 2025) entscheidet die Qualität der Fläche über den Erfolg. Wir denken Brand Community Places entlang dreier Hebel: Raum und Aufenthaltsqualität, Community-Formate sowie die Frage nach der richtigen Planungstiefe. Jeder Hebel braucht handwerkliche Präzision.
Raum, Gastronomie und Aufenthaltsqualität
Der Raum legt das Fundament. Ohne Aufenthaltsqualität entsteht kein Treffpunkt, ohne Treffpunkt keine Community. Gastronomie ist dabei der stärkste Hebel, weil sie Menschen einen selbstverständlichen Grund zum Bleiben gibt. Wer Kaffee trinkt, verweilt. Wer verweilt, kommt mit der Marke in Berührung.
Wie das konkret aussieht, zeigen eigene Projekte. Die Foodhall Berlin verbindet Handel und Gastronomie zu einem lebendigen Ort. Das Caffè Sant'Angelo zeigt, wie ein gastronomisches Format Atmosphäre und Markenbindung schafft. Beide Beispiele belegen: Gastronomie ist kein Beiwerk, sondern ein strategisches Werkzeug für Aufenthaltsqualität.
Community-Formate und Events
Programm hält den Ort lebendig. Ein einmal eingerichteter Raum verliert ohne Anlässe schnell an Zugkraft. Events, Workshops und wiederkehrende Formate geben Menschen einen Grund, zurückzukehren. Sie verwandeln Fläche in Frequenz.
In Projekten für Marken wie Fossil und Michael Kors zeigt sich, wie sich Markenwelt und Erlebnis räumlich verbinden lassen. Entscheidend ist, dass die Fläche von Anfang an Formate mitdenkt. Ein Raum, der Events ermöglichen soll, braucht flexible Zonen, Technik und Logistik. Diese Anforderungen gehören in die frühe Planung, nicht in die Nachrüstung.
Retail Design oder Ladenbau?
Die richtige Planungstiefe entscheidet über das Ergebnis. Retail Design entwickelt das strategische und gestalterische Konzept, Ladenbau setzt es baulich um. Ein Brand Community Place braucht beides verzahnt, sonst bleibt das Konzept Theorie oder die Umsetzung beliebig. Wer den Unterschied versteht, plant von Anfang an konsistent.
Für komplexe Markenorte empfiehlt sich eine durchgängige Generalplanung, die Strategie, Architektur, Interior und Umsetzung aus einer Hand führt. So bleibt die Markenidee von der ersten Skizze bis zur Eröffnung erhalten. Wer tiefer einsteigen will, findet im Beitrag Retail Design vs. Ladenbau die ausführliche Einordnung. Auch unsere Architektur- und Interior-Leistungen setzen genau hier an.
Markenorte und EuroShop 2026
Die Branche diskutiert das Thema längst auf großer Bühne. Die EuroShop 2026, die weltweite Leitmesse für den Handel, findet vom 22. bis 26. Februar 2026 in Düsseldorf statt (Messe Düsseldorf). Markenorte, Erlebnisräume und neue Handelskonzepte zählen dort zu den zentralen Themen. Wer die Zukunft der Fläche verstehen will, findet hier den Puls der Branche.

Leitmesse als Treffpunkt der Handelsbranche · Foto: Tahir Xəlfə / Pexels
Für uns ist die EuroShop mehr als ein Termin. Sie ist ein Gradmesser dafür, wohin sich der Handel bewegt. Die Verschiebung vom Verkaufsraum zum Markenort prägt die Debatte seit mehreren Ausgaben. Brand Community Places sind dabei kein Randthema, sondern eine der überzeugendsten Antworten auf die Frage, warum Menschen künftig überhaupt noch in den Laden kommen.
FAQ
Was genau ist ein Brand Community Place?
Ein Brand Community Place ist eine Handelsfläche, die bewusst als sozialer Treffpunkt gestaltet ist. Sie verbindet Markenwelt, Aufenthaltsqualität und Gemeinschaft. Bei rund 86 % stationärem Umsatzanteil (HDE Online-Monitor, 2025) wird diese Funktion zum entscheidenden Unterschied gegenüber dem reinen Verkaufsraum.
Worin unterscheidet sich ein Brand Community Place vom Erlebnishandel?
Erlebnishandel inszeniert den Kaufmoment, der Brand Community Place baut eine dauerhafte Beziehung auf. Während 63 % stationär kaufen, um Produkte zu prüfen (YouGov, 2021), geht der Brand Community Place weiter: Er gibt durch Events, Service und Gastronomie einen Grund zur Wiederkehr.
Lohnt sich der stationäre Handel überhaupt noch?
Ja, deutlich. 2025 liefen rund 86 % des deutschen Einzelhandelsumsatzes über die Fläche, der Online-Anteil lag bei 13,5 % (HDE Online-Monitor, 2025). Für 2026 prognostiziert der HDE ein stationäres Wachstum von 1,6 %. Die Fläche bleibt zentral, sie muss aber überzeugen.
Welche Elemente machen einen Store zum Third Place?
Vier Elemente sind entscheidend: Aufenthaltsqualität, eine soziale Funktion, erlebbare Markenidentität und ein Grund zur Wiederkehr. Gastronomie, Events, Service und Haltung sind die bewährten Werkzeuge. Ray Oldenburg beschrieb den Third Place 1989 als informellen Treffpunkt zwischen Zuhause und Arbeit, genau diese Rolle übernimmt der Markenort.
Wie startet man die Planung eines Brand Community Place?
Am Anfang steht die Strategie, nicht das Möbel. Zuerst klärt sich, welche Community die Marke aufbauen will und über welche Formate. Erst danach folgen Raum, Gastronomie und Technik. Eine durchgängige Planung von Strategie bis Umsetzung verhindert, dass das Konzept auf dem Weg verloren geht.
Fazit
Der Handel steht nicht vor dem Ende, sondern vor einer Neudefinition. Solange rund 86 % des Umsatzes stationär laufen, bleibt die Fläche entscheidend. Doch ihre Aufgabe verschiebt sich vom Verkaufen zum Verbinden. Brand Community Places sind die überzeugendste Antwort auf diese Verschiebung. Sie machen aus dem Store einen dritten Ort, an dem Menschen gern Zeit verbringen.
Die internationalen Vorbilder zeigen die Werkzeuge: Gastronomie, Ritual, Event und Haltung. Die Aufgabe besteht darin, sie zur eigenen Marke passend zu übersetzen. Wer das ernst nimmt, gewinnt mehr als Umsatz. Er gewinnt Bindung. Wer tiefer einsteigen möchte, findet weiterführende Beiträge zu Markenwelten gestalten, zum Brand Space als Markenmedium, zur Unterscheidung von Retail Design und Ladenbau sowie zu Branded Residences.
Bildnachweise
- Hero (Gastronomie als Treffpunkt): Foto Rachel Claire, Pexels-Seite, Pexels-Lizenz
- Was sind Brand Community Places (Markenraum): Foto Jea Tang, Pexels-Seite, Pexels-Lizenz
- Third Place (Café-Treffpunkt): Foto Alexander Suhorucov, Pexels-Seite, Pexels-Lizenz
- Erlebnishandel (inszenierter Store): Foto Ludovic Delot, Pexels-Seite, Pexels-Lizenz
- Zukunft des Handels (Shopping-Mall): Foto Lywin, Pexels-Seite, Pexels-Lizenz
- Gastronomie und Café (gemütliches Café): Foto Ayşe Demir, Pexels-Seite, Pexels-Lizenz
- Events und Community (Workshop): Foto Vitaly Gariev, Pexels-Seite, Pexels-Lizenz
- Haltung (Reparatur eines Kleidungsstücks): Foto Tima Miroshnichenko, Pexels-Seite, Pexels-Lizenz
- EuroShop und Messe (Fachmesse): Foto Tahir Xəlfə, Pexels-Seite, Pexels-Lizenz
Quellen
- HDE Online-Monitor (Online-Anteil 13,5 %, Prognose 2026)
- HDE-Pressemitteilung: Prognose 2026 (rund 4.900 Geschäfte)
- YouGov International Retail Report 2021 (Gründe für stationären Kauf)
- EuroShop 2026, Messe Düsseldorf
- Ray Oldenburg, The Great Good Place (1989)
- 10 Corso Como, Mailand
- Ralph's Coffee, Ralph Lauren
- Gentle Monster, HAUS DOSAN
- Aesop Signature Stores
- Nike House of Innovation
- Arc'teryx ReBird Service Center
- Patagonia Worn Wear
- Glossier Flagship, SoHo










